Gemeindehaus

Warum wurde das Fürfelder Rathaus nicht Rathaus, sondern wie über dem Portal zu lesen, "Gemeindehaus" genannt?

Fürfeld gehörte von 1816 bis 1848 zum Kreis Bingen, infolge revolutionsbedingter Turbulenzen der Verwaltungsorganistion 1848/50 zum Regierungsbezirk Mainz, zum Regierungsbezirk Worms 1850/52. Seit 1852 (bis1918) zum Kreis Alzey. Bemerkenswert ist, dass es zwischen der Provinzialregierung in Mainz und den kommunalen Gebietskörperschaften keine Mittelinstanz gab. Dann aber animierten die französiche Juli-Revolution von 1830 und ihre Ausläufer in Belgien und Polen, weit vorausdenkende Köpfe in Deutschland dazu, auf dem "Hambacher Fest" im Mai 1832 "die vereinigten Freistaaten Deutschlands" und ein "konföderiertes republikanisches Europa" zu fordern.

Die Regierung von Hessen-Darmstadt gelangte zu der Überzeugung, dass man die für republikanisch-revolutionäres Gedankengut recht anfällige rheinhessische Provinz ohne Mittelinstanz zwischen Provinzialregierung und Gemeinden nicht sicher genug im Griff habe und schritt - für "Aufgaben der politischen Polizei"- zur Einführung dessen, was die liberal-republikanische Opposition "Kreisrats-Krebs" nannte. Diese mittlere Verwaltungsinstanz der Kreisebene sollte auf die politischen Aktivitäten der Untertanen ein wachsames Auge haben.

Die Charakterisierung der Einrichtung des Kreisrats als Krebsschaden ist einer Gedenkrede entnommen, die am 5. November 1848 in Wöllstein bei einer Gedächtnisfeier für den Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung Franz Josef Brunck aus Fürfeld gehalten wurde.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich warum bei der Benennung des Gemeindehauses auf das Wort "Rat"haus verzichtet wurde.


(C) 2015 www.fuerfeld.eu - Alle Rechte vorbehalten

Diese Seite drucken