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Schinderhannes

Juli 1798

Nach seiner Flucht aus dem Gefängnis in Saarbrücken im Juli 1798 versteckt sich Hannes Bückler zunächst bei guten Bekannten im Idarwald und im Soonwald. Bald darauf traf er sich in Fürfeld wieder mit dem Schwarzen Peter (Peter Petri) und beging mit ihm zusammen einige weitere Pferdediebstähle.

Abgegesehen von diesem kurzen Aufenthalt im Juli 1798 kam der Schinderhannes aber in diesen Jahren noch häufiger nach Fürfeld, das nur etwa 2 km westlich von Hof Iben liegt, in dem der Schinderhannes und seine Eltern eine Zeitlang gewohnt hatten.

September 1801


Nach dem Raubüberfall und Mord in Sötern am 5.September 1801 fand der Schinderhannes mindestens für eine Woche Unterschlupf in Fürfeld. In dieser Woche nach dem Überfall lieh er einem Wirt (vermutlich dem, des Gasthauses, in dem er wohnte) zwölf Livres, also etwa 6 Gulden. Natürlich wurde der Schinderhannes bei dieser Gelegenheit von den Einheimischen wieder in den Gasthäusern beim Tanzen beobachtet (und die sollten sich später gut daran erinnern, auch wenn sie 1801 noch nichts unternehmen wollten oder sich nicht getrauten, etwas zu unternehmen).

Gemeinsam mit Georg Friedrich Schulz (dem Schlechten Freier), Hannikel Müller und Peter Hassinger besuchte Johannes Bückler damals in Fürfeld auch wieder den jüdischen Händler und Hehler Joseph Manasse, wo sie sich Kaffee servieren ließen (auch wenn dies in den Verhörprotokollen nicht ausdrücklich vermerkt wird: Das Kaffeetrinken, das damals noch etwas ungewöhnliches und sehr teures war, fand vermutlich statt, während sie dem Händler einen Teil ihrer Beute von Sötern verkauften). Das Interessante dabei ist, dass der Untersuchungsrichter vermutete, es wäre damals noch ein weiterer, auswärtiger Hehler mit zum Kaffeetrinken bei Manasse gewesen, was Johannes Bückler wohl zugab, aber dazu weiter meinte, er könne sich nicht mehr so genau erinnern, welcher das gewesen sei. Offensichtlich hatte im September 1801 die Justiz schon ihre eigenen Zuträger in Fürfeld gehabt.

Durch das rege Feiern und Geld verleihen hatte der Schinderhannes das geraubte Geld wohl rasch wieder ausgegeben. In dieser Woche der rauschenden Feste müssen auch die Kontakte zu den beiden Förstern Brixius und Baumann stattgefunden haben, denn der Schinderhannes und seine Freunde planten nun bereits den nächsten Raubüberfall - und dieser fand, nach den Aussagen des Schinderhannes, auf Vorschlag und den genauen Auskünften von Brixius in Staudernheim statt. Der dadurch offenkundig werdende vertrauliche Umgang mit Nationalförster Brixius ist zugleich ein guter Indikator dafür, dass der Schinderhannes mit ihm in Fürfeld vermutlich schon öfters bei einem Glas Branntwein geplaudert hatte.

Einen Teil seiner Beute vom Raubüberfall in Staudernheim verkaufte der Schinderhannes an den jüdischen Krämer Michel (oder Michael) Isaak aus Fürfeld. Auf Grund dieser Aussage wurde jener in Mainz 1803 wegen Hehlerei zu 24 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.