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Franz Josef Brunk

Franz Josef Brunk

1787-1848

Der 1787 in Winterborn geborene Brunk war seit 1812 mit seiner Frau Eleonore und, im Lauf der Zeit, 8 Kindern, in Fürfeld ansässig. Bei der Versteigerung der Nationalgüter hatte er in der Gemarkung Fürfeld Grundbesitz von über 70 Hektar erwerben können. Da er als Kataster Geometer tätig war, dürfte er über Beziehungen verfügt haben, die ihm bei dieser Transaktion zustatten gekommen waren. „ Das Bruncksche Haus in der Rathausgasse war fürstlich eingerichtet; in den Stallungen standen prachtvolle Pferde. Am Dorfausgang, nach Frei-Laubersheim zu, hatte Brunk einen vorbildlichen Hausgarten und diesem gegenüber einen herrschaftlichen Park angelegt.“ Eine solche Stellung im Dorf musste ihn für das Amt des Bürgermeisters prädestinieren, das er von 1814 bis 1836 bekleidete. Weil er die politische Absicht, die hinter der Etablierung der Kreisräte steckte, durchschaute und zur Kooperation mit dem Kontrollorgan nicht mehr bereit war, nahm er seine Wiederwahl zum Bürgermeister nicht mehr an. Nachfolger wurde Jacob Lahr.

 

Der Schwerpunkt der politischen Aktivitäten Brunks hatte sich schon 1826 nach Darmstadt verlagert, wo er Mitglied der 2. Kammer des Landtags war und im wichtigsten, also dem Finanzausschuss mitwirkte. Der wichtigste deshalb, weil das Recht, Steuern zu bewilligen oder zu verweigern, das wirksamste Machtmittel der nach Zensuswahlrecht und indirekt gewählten „ Volksvertretung “ war.
Brunk gehörte innerhalb des liberalen Spektrums dem linken Flügel an. Das Zensuswahlrecht war ihm suspekt. Energisch befürwortete er auch die allgemeine, politische und zivilrechtliche Emanzipation der Juden.
Da die Kammer nur vom Monarchen einberufen werden konnte und deshalb zwar regelmäßig, aber nicht sehr oft tagte, blieb ihm genügend Zeit, sich seinen Unternehmerischen Aufgaben in Fürfeld zu widmen. Dort hat sich 1832 sein Tätigkeitsfeld als Landwirt und Ziegeleibesitzer erheblich ausgeweitet, als es ihm gelang, den größten Teil von Hof Iben mit Zubehör, insgesamt über 300 Morgen, zu ersteigern. Sein aufs Praktische gerichteter Sinn ließ ihn das romanische Langhaus der Ibener Templerkirche als Steinbruch nutzen. Also wurden gerade Steine gebraucht. Man darf deshalb vermuten, dass beim Bau der sog. „ alten “ Schule (fertiggestellt 1840) das sakrale Steinmaterial aus Iben Verwendung gefunden hat.

1848 gab Frankreich erneut den Startschuss zu einer europäischen Revolutionsserie. Interessenten und daher Träger der Revolution waren das wohlhabende Bürgertum, oder nicht minder wohlhabende Großbauern und Gutsbesitzer, z.B. Franz Josef Brunk aus Fürfeld und der mit ihm befreundete Heinrich von Gagern. Brunk und von Gagern wurden schließlich in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Die Frankfurter Nationalversammlung, die vom 18. Mai 1848 bis zum 31. Mai 1849 in der Frankfurter Paulskirche tagte, war das erste frei gewählte Parlament für ganz Deutschland.

Franz Josef Brunk starb in der Nacht vom 20. auf den 21.Oktober 1848 in Goethes Geburtshaus in großen Hirschgraben, wahrscheinlich an einer Lungenembolie. Im Beisein der Mitglieder der Nationalversammlung ist er auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beerdigt worden.